Barbara Keller-Inhelder
Minarett-Türme  
3. Dezember 2006
Erschienen in: Linth-Zeitung, St. Galler Tagblatt, Obersee Nachrichten

Die Glaubens- und Gewissensfreiheit wird in der Schweiz bekanntlich ausgesprochen hochgehalten. Da wir in unserem Land auch eine Gedanken- und eine verfassungsmässig geschützte Meinungsäusserungsfreiheit verankert haben, erlaube ich mir wieder einmal, meine Meinung kund zu tun zu einem Thema, das heikel ist und von vielen vorsichtigen Vertretern der politischen Parteien gerne umgangen wird. Ich erachte die Tabuisierung von Themen generell als nicht sinnvoll.

Als Folge von mehreren Minarett-Turm Projekten ist eine öffentliche Diskussion entflammt. Im Kanton St.Gallen wurde in der vergangenen Session des Kantonsrats eine entsprechende Motion, welche den Bau von Minaretten jeweils dem Volk vorlegen sollte, abgelehnt. Was dabei nicht zum Ausdruck kam, war, dass zahlreiche Kantonsräte die Motion aus juristischen Gründen ablehnten, für die Sache jedoch durchaus Verständnis aufbringen.

Ich erachte es als wichtig, diese Diskussion offen und umfassend zu führen und habe deshalb nach der Niederlage der Minarett-Motion eine entsprechende Interpellation eingereicht. Während die Moschee (das islamische Gotteshaus), bzw. Gebetsräume für islamische Bewohnerinnen und Bewohner, für mich absolut nicht zur Diskussion stehen, wird das Minarett, d.h. der Turm für den Gebetsruf des Muezzin, als nicht in unsere abendländische Kultur passend, oder sogar als Provokation empfunden, da das Minarett ja auch als Symbol der Gebietseroberung gilt. Auch von Experten wird das Minarett nicht als Notwendigkeit zur Ausübung des Gebetes oder der Religion betrachtet, was bedeutet, dass die Glaubens- und Gewissensfreiheit hier gar nicht tangiert ist. Von den bisher 150 Moscheen in der Schweiz sind denn auch alle bis auf zwei seit Jahrzehnten ohne Minarett-Turm ausgekommen; der Wunsch nach Minaretten ist in der Schweiz eine neuere Erscheinung.

Im Zusammenhang mit den negativen Erscheinungen des radikalen Islamismus (Terroranschläge, Blutrache, Genitalverstümmelungen, Diskriminierung von Frauen etc.), zeichnet sich eine gewisse Gefahr der Störung des öffentlichen Friedens ab. Ich gehe heute davon aus, dass eine Mehrheit der St.Galler Bevölkerung im Falle einer Volksabstimmung den Bau von Minarett-Türmen ablehnen würde.

Christliche Werte prägen unsere Gesellschaft und sind die Basis für unsere humanistische Entwicklung, die heute einen aufgeklärten und modernen Stand erreicht hat. Kein Land weltweit hat den Rechtsstaat und die Wahrung der Menschenrechte so weit entwickelt wie die Schweiz. Ich erachte es als unseren Grundauftrag, aktiv für die Werte unserer abendländischen Kultur, die unvereinbar sind mit den genannten Exzessen des Islamismus, einzustehen. Und wenn Minarette in der Bevölkerung auf starken Widerstand stossen, ist eine vernünftige Diskussion zu führen, der Besorgnis Rechnung zu tragen und der Bau von Minaretten nötigenfalls zu verbieten.

3. Dezember 2006, Barbara Keller-Inhelder, Kantonsrätin, CVP

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